Fakten & Argumente

 

 

Warum kein neues Kohle Kraftwerk in Lünen?

 

1.    Lünen verfügt bereits über eine derartige Ansammlung von Verbrennungsanlagen und Kraftwerken (z.B. das Steinkohlekraftwerk der STEAG, Biomassekraftwerk von Remondis), dass die Stadt bereits heute über die Belastungsgrenze hinaus ihren Beitrag zur notwendigen Versorgungssicherheit des Landes leistet.

Neben den Plänen von TRIANEL ein Steinkohlekraftwerk mit zwei Blöcken zu bauen, plant die STEAG ebenfalls einen weiteren Kraftwerksblock in Lünen. Unsere Stadt hätte somit schlimmstenfalls 4 Steinkohlekraftwerke.

Des Weiteren existieren in den Nachbarstädten von Lünen bereits eine Vielzahl von Kraftwerken, so dass der Strombedarf in der Region mehr als abgedeckt ist.
 

 

                                    

 

2. Die Luftbelastung in Lünen ist entgegen der Aussage von Politikern und des Landesumweltamtes bereits jetzt schon als besorgniserregend     anzusehen.

 

Stadt Lünen: Emmissionen aller Emittentengruppen 2000 / 2004

                                Brief vom Landesumweltamt in Bezug auf die Luftqualität von Lünen

Auswertung der Daten

 

Die Pläne des TRIANEL - Kraftwerkes sehen vor, die durch den Verbrennungsprozess der Kohle entstehen Rauchgase nicht wie herkömmlich über einen Schornstein, sondern über einen Kühlturm abzuführen. Diese Art der Rauchgasabführung ist derzeit noch nicht hinreichend erforscht. Ebenfalls existieren keine Langzeitstudien in Bezug auf Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt,  so dass eine Gefährdung der Bevölkerung nicht 100%ig ausgeschlossen werden kann.

 

Laut Unterlagen von TRIANEL liegen die Hauptbelastungszonen in Selm - Cappenberg und Werne - Langern. Die Annahme, dass Ortsteile von Lünen nicht betroffen sind, ist jedoch falsch. Da die Hauptwindrichtung in Lünen Nord - Ost ist, sind neben Lippholthausen ebenfalls die Ortsteile Geistviertel, Alstedde, Nordlünen, Innenstadt und Wethmar betroffen. Die Landschaft des Ortsteils Lippholthausen wird durch das Kraftwerk zusätzlich zur Belastung der Luft geschädigt.

 

Grafik Hauptimmissionspunkte des TRIANEL- Kraftwerkes

 

3.      In der Information zum geplanten Steinkohlekraftwerk gibt TRIANEL vor dem Klimaschutz verpflichtet zu sein. Diese Selbstverpflichtung scheint zweifelhaft, da TRIANEL ein Kohle Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von ca. 46 % baut, obwohl es durch Kraft- Wärmekopplung die technische Möglichkeit gibt, einen Wirkungsgrad zwischen 80- 90% zu erreichen.

Der Wirkungsgrad des Kohle Kraftwerkes von ca. 46 % wird u. a. durch den Verzicht auf den Bau eines Schornsteines und die Abführung der Rauchgase über den Kühlturm erreicht. Ohne diese Maßnahme würde der Wirkungsgrad um ca. 10 % sinken.

In die Berechnung des Wirkungsgrades sind die Aufwendungen für den Import aus Übersee (z. B. Südafrika, Südamerika, Australien etc.) durch Massengutfrachter, die weitere Anlieferung über Binnenschiffe, der Umschlag als auch die Förderung und Verarbeitung der Kohle nicht berücksichtigt. Dies würde den Wirkungsgrad des Kraftwerkes noch einmal deutlich verringern.

Abgesehen von klimaschädigenden Kohle Kraftwerken, besteht die Möglichkeit z. B. GuD- Kraftwerke (Gas- und Dampf, Wirkungsgrad ca. 56 %) oder Blockheizkraftwerke (Wirkungsgrad 80- 90 %) zu bauen. Nicht zu vergessen sind die sogenannten regenerativen Energien (Wind, Sonne etc.). 

 

Die Absicht von TRIANEL eine CO2 - Abscheideanlage nachzurüsten, sobald die Technologie zur Verfügung steht ist ein „Ablenkungsmanöver“. Derzeit ist nicht absehbar ob eine Abscheidung des CO2  technisch überhaupt durchführbar ist. Darüber hinaus ist die langfristige Sicherheit nicht gewährleistet und beinhaltet ökologische Risiken.

 

Endbericht über CO2- Abscheideanlagen des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie

www.wupperinst.org/uploads/tx_wibeitrag/II-Kap4-8-RECCS-Endbericht.pdf

 

Bericht über Risiken von großen CO2 - Aufkommen ( Beispiel Nyos- See)

 

4.    Damit der von TRIANEL produzierte Strom in das Europäische Verbundnetz eingespeist werden kann, muss neben den zwei vorhandenen Hochspannungsleitungen eine weitere Trasse durch das Mühlenbachtal gebaut werden, da die Kapazität der vorhandenen Leitung nicht ausreicht. Dies ist ein unakzeptabler und unnötiger Eingriff in das beliebte Naherholungsgebiet.

              

5.   Die Lippe ist als FFH - Gebiet (Flora- Fauna- Habitat) ausgewiesen und fällt somit unter den höchsten Europäischen Naturschutzstatus. Laut Aussage der Kurzbeschreibung des Bauvorhabens und der Umweltverträglichkeitsprüfung von TRIANEL entspricht der Salzgehalt der Lippe bereits jetzt schon nicht der EU - Wasserrahmenrichtlinie. Dies soll jedoch für den Bau des Kraftwerkes kein Hindernis  darstellen, da die zusätzliche Belastung „vernachlässigbar“ ist. Dieses soll auch für die Wärmeeinleitung in die Lippe gelten.

Bereits in den letzten Jahren mussten Kraftwerke heruntergefahren bzw. abgeschaltet werden, da die Fischgewässerrichtlinie (Temperatur < 28 oC) nicht eingehalten werden konnte.

Laut TRIANEL - Unterlagen soll sich die Situation zukünftig durch Auslaufen von Altgenehmigungen zur Durchlaufkühlung verbessern.

Die Bürgerinitiative teilt diese Ansichten nicht. Die bereits eingetretene Nichteinhaltung der EU - Wasserrahmenrichtlinie ist ein alarmierendes Zeichen und darf keinesfalls ignoriert werden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich die Erde und somit auch Lünen durch den Klimawandel langfristig erwärmen wird, so dass es in Zukunft eher häufiger notwendig sein wird Kraftwerke teilweise bzw. komplett abzuschalten.  

Information über FFH- Schutzgebiete des Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

des Landes Nordrhein-Westfalen

http://www.natura2000.murl.nrw.de/gebiete/4209-302/4209-302.htm

http://www.natura2000.murl.nrw.de/gebiete/4314-302/4314-302.htm

 

 6.   Der Bau des TRIANEL - Kraftwerkes verringert die Wohnstandortqualitäten in Lünen und hemmt den Wandel von der Industrie- und Bergbaustadt hin zu einem modernen, aktiven und naturnahen Wohnort. Dadurch verliert Lünen als Wohnstadt sowohl bei Alt- als auch bei Neubürgern an Attraktivität. Sinkende Einwohnerzahlen und damit verbundene Steuereinbussen sind die Folgen.

 

Der Bau des Kraftwerkes kann in den betroffenen Gebieten zu einem Werteverfall der Grundstücke bzw. des Wohneigentums führen.

 

7.    Für die Stadtwerke Lünen GmbH ist die Beteiligung  an der geplanten Großinvestition mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken verbunden. Kommt es infolge des Klimawandels zu einer konsequenten CO2 - Minderungspolitik mit der Folge, dass CO2 - Zertifikate nicht mehr kostenfrei durch die Bundesregierung verschenkt werden, dann wäre die Kalkulationsgrundlage für das Kraftwerkes hinfällig und Defizite müssten durch das TRIANEL - Konsortium (also auch durch die Stadtwerke Lünen GmbH) ausgeglichen werden.

 

8.      Die Stadtwerke Lünen GmbH ist ein kommunales Unternehmen das die Aufgabe hat, die Grundversorgung der Bevölkerung mit Strom, Gas und Wasser sicherzustellen. Die Stadtwerke Lünen GmbH ist im Gegensatz zu den großen Energieunternehmen (z. B. RWE, EON, EnBW, Vattenfall, STEAG) nicht als weltweit agierende und durch Aktionäre bzw. Aktienkurse gesteuerte Aktiengesellschaft zu sehen, sondern ein regionalverbundes Unternehmen

 

Aus diesem Grund muss es das Ziel der Stadtwerke Lünen GmbH sein, eine nachhaltige  stadtbezogene und unabhängige Energiewirtschaft aufzubauen, die die Priorität haben sollte, mehr dass Wohl der Einwohner / Bürger / Stadt zu fördern als um jeden Preis Geld zu verdienen.

 

9.      Die Einhaltung der Klimaschutzziele der Europäischen Union und der Bau von über 40 neuen Kohlekraftwerken in Deutschland (überwiegend in NRW) mit Laufzeiten von 50 Jahren und mehr schließen sich gegenseitig aus. 

 

bestehende und geplante Kraftwerke in Deutschland  

 

Ideen und Konzepte gibt es viele, jedoch besitzt weder die Bundes- noch die Landesregierung ein Gesamtkonzept zum Klimaschutz. 

Die Energieunternehmen zeigen mit den geplanten neuen Kohle-Kraftwerken (Anzahl sh. oben) wenig Interesse an der CO2-Verminderung.

 

Was wollen wir statt dessen?

 

Aus unseren Argumenten gegen den Bau des TRIANEL - Kraftwerks in Lünen und ausufernden Kraftwerkbau in Deutschland leiten sich unsere Forderungen ab: 

 

1.  Die Stadtwerke Lünen GmbH benötigt ein vernünftiges energiewirtschaftliches Konzept, das auf Nachhaltigkeit, Stadtbezogenheit und Unabhängigkeit von anderen Energieunternehmen und fossile Energieträger setzt.

 

2.  Darüber hinaus soll der  Ist-Zustand der Luftqualität in Lünen durch Messungen der Luftschadstoffe unter Berücksichtigung folgende Kriterien erfasst werden:

-      flächendeckende Aufstellung von Messstationen unter Berücksichtigung der Industriestandorte und der Hauptwindrichtung;

   -     Erfassung aller gesundheitsgefährdenden Immissionen;

    -       Messzeitraum mindestens 1 Jahr, ununterbrochen.